Wo Mütter einmal nicht stark sein mussten
Pörtschach, Sommer 2026. Ein Nachbericht.
Der Wörthersee präsentiert sich gewohnt kristallblau, als die Mütter mit ihren Kindern über den Kiesweg zum Strandschlössl gehen. Zwölf Frauen mit Kinderwagen und Koffer, Namen werden gerufen, Kinder wuseln herum, eine aufgeregte Vorfreude liegt in der Luft. Für fünf Tage ist dieses Haus – das Urlaubsheim von Plasser & Theurer in Pörtschach – ihr Zuhause. Für viele von ihnen ist es der erste Urlaub überhaupt.
Zwölf alleinerziehende Mütter, ihre Kinder zwischen 3 und 14 Jahren – wurden heuer zum ersten Mal in Kooperation mit dem Autismus-Therapiezentrum Sonnwendviertel des VKKJ eingeladen. In jeder Familie lebt mindestens ein Kind im Autismus-Spektrum. Vier Therapeutinnen, darunter eine Musikpädagogin und eine Logopädin, begleiten die Woche – rund 100 Therapiestunden verteilt auf fünf Tage, eingebettet in Spiel, Musik und gemeinsames Tun.


Ein Urlaub ohne Rechtfertigung
Was das Camp so besonders macht, lässt sich schwer in eine Zahl fassen. Es zeigt sich eher in kleinen Momenten: wie die Kinder miteinander trommeln, die Mütter miteinander lachen, die großen Geschwister mit Anlauf in den See springen. Wie ein kleiner Bub lachend den Hügel runtersaust, in die Arme einer Therapeutin.
Eine der Mütter bringt es auf den Punkt:
„Es ist anders als jeder andere Urlaub, weil man sich nicht für sein Kind rechtfertigen muss. Alle Mütter hier haben dasselbe Leben mit einem Kind, das besonders ist. Das Verständnis hier ist ganz anders. Man fühlt sich so geborgen und sicher, weil sehr viel Unterstützung da ist.”
Eine andere Mutter erzählt, wie sehr sie der Austausch mit den anderen Frauen gestärkt hat:
„Es ist eine neue Erfahrung, mit den anderen Müttern gemeinsam zu sehen, wie die anderen Kinder mit Autismus sind. So kann ich meinen Sohn besser verstehen und etwas Neues lernen, wie ich mit ihm zuhause umgehen kann.”
Genau das war die Idee hinter der Kooperation mit dem Autismus-Therapiezentrum: nicht nur Betreuung und Therapie anzubieten, sondern einen Raum zu schaffen, in dem sich Mütter untereinander begegnen, austauschen und tragen können – ohne Erklärungsdruck, ohne Blicke, die man sonst gewohnt ist.
Salzteig, Trommeln und ein eigener Song
Die Tage waren gefüllt mit gemeinsamen Aktivitäten für alle Kinder: Salzteig kneten, Trommeln basteln, Fingerfarben, selbst bemalte Taschen und T-Shirts. Zwischendurch wurde die Seepromenade erkundet und ausgiebig gebadet. Abends wurde gemeinsam gegrillt – jede und jeder half mit. Und einmal wurde sogar getanzt: Jede Frau spielte Musik aus ihrer Herkunft ab, sodass sich für einen Moment die ganze Welt im Garten des Strandschlössls versammelte.
Besonders berührend: Auch die Geschwisterkinder der autistischen Kinder fanden hier ihren Platz. Einen Raum für eigene Erfahrungen und Begegnungen, abseits der Rolle, die sie zuhause oft automatisch übernehmen.
Am letzten Abend stand ein gemeinsamer Song auf dem Programm, einstudiert über die Woche, vorgetragen von allen gemeinsam – Kindern, Müttern, Therapeutinnen. Ein kleiner Moment mit großer Wirkung, wie eine Mutter beschreibt: „Jetzt weiß ich zum ersten Mal, was es heißt, glücklich zu sein.”


Dankbarkeit, die bleibt
Auch die begleitenden Therapeutinnen nahmen die Woche als etwas Besonderes mit. Barbara, fachliche Leiterin des Autismus-Therapiezentrums, schrieb im Nachgang an das Team: „Erfüllt von allen Eindrücken und mit großer Dankbarkeit im Herzen lasse ich die Tage Revue passieren. Ihr habt den Kindern und Müttern, als auch uns Therapeutinnen Erfahrungen ermöglicht, die es ohne euch nicht gegeben hätte.”
Für CAPE 10 ist das Sommercamp ein Herzensprojekt: einmal im Jahr, ermöglicht durch die Unterstützung von Plasser & Theurer, einer Gruppe von Menschen, die im Alltag oft alleine viel stemmen müssen, eine Woche schenken, in denen sie einfach nur sein dürfen. Kein Rechtfertigen. Kein Erklären. Nur Sonne, Wasser und Gemeinschaft – und die Gewissheit, nicht allein zu sein.
Ermöglicht durch die Unterstützung von:

Fotos: © Martin Assam







