Psychische Gesundheit von Österreichs Jugendlichen

Ein Lagebericht

Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Österreich hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Aktuelle Daten aus mehreren Studien und Befragungen zeichnen ein alarmierendes Bild: Immer mehr junge Menschen leiden unter Angst, Überforderung, depressiven Symptomen und psychischer Erschöpfung.

Deutlicher Anstieg psychischer Erkrankungen

Laut dem Dachverband pro mente Austria fühlt sich bereits rund die Hälfte der Jugendlichen in Österreich und Deutschland „nicht gut“. Etwa jeder zehnte junge Mensch zeigt Anzeichen schwerer psychischer Belastungen, darunter Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen.1

Auch eine von der Kinderliga und der Bundesjugendvertretung mitinitiierte Befragung bestätigt diese Entwicklung: Rund 28 Prozent der Jugendlichen gaben an, schon einmal Suizidgedanken gehabt zu haben. 68 Prozent fühlten sich zumindest an einem Tag in der Vorwoche niedergeschlagen oder hoffnungslos.2

Besonders deutlich treten Belastungen bei Mädchen zutage: In einer österreichweiten Schüler:innenstudie berichteten 44 Prozent der befragten Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren von häufig schlechter Stimmung oder Gereiztheit; bei den Burschen lag der Wert bei 25 Prozent. Auch Anzeichen von Niedergeschlagenheit und depressiven Symptomen nahmen in allen Gruppen zu.3

Ursachen: Druck, Krisen und Unsicherheiten

Fachleute sehen eine Vielzahl an Faktoren, die zu diesem Anstieg beitragen. Viele Jugendliche erleben vielschichtigen Leistungsdruck in Schule und Ausbildung. Hinzu kommen gesellschaftliche Herausforderungen wie die wirtschaftliche Lage, geopolitische Krisen und klimabezogene Zukunftsängste.

Eine große Rolle spielen auch soziale Medien, die laut Expert:innen den Vergleichsdruck verstärken und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen können. Viele Jugendliche fühlen sich dadurch konstant beobachtet und bewertet – mit negativen Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden.1 2

Parallel dazu bleibt die Versorgungslage angespannt. Psychotherapeutische Unterstützung ist vielerorts schwer zugänglich, Wartezeiten auf Leistungen der Krankenkassen reichen teilweise bis zu einem Jahr. Somit verschärft sich die Situation für jene, die dringende Hilfe benötigen.1

Ein Stimmungsbild der Überlastung

Die Ö3-Jugendstudie, die jährlich das Befinden junger Menschen in Österreich erhebt, zeichnet ein ähnliches Bild. Viele Jugendliche berichten von einer „Dauerbelastung“, von Zukunftssorgen und dem Gefühl, den Erwartungen nicht gerecht werden zu können. Die emotionale Erschöpfung nimmt zu – und mit ihr die Sehnsucht nach Stabilität, Orientierung und Unterstützung.4

Die vorliegenden Daten zeigen eine klare Tendenz: Die psychische Belastung junger Menschen nimmt zu – und das in einem Ausmaß, das Politik, Bildungseinrichtungen und Gesundheitssystem gleichermaßen vor Herausforderungen stellt. Auch wenn viele Ursachen komplex und eng miteinander verknüpft sind, deuten die Studien auf einen zentralen Befund hin: Österreichs Jugendliche benötigen mehr Raum, Unterstützung und Zeit, um ihre seelische Gesundheit zu stärken.


  1. Pro Mente Austria (2025): Psychisch belastet und unterversorgt – es ist höchste Zeit zu handeln! https://www.promenteaustria.at/pressrelease/psychisch-belastet-und-unterversorgt-es-ist-hoechste-zeit-zu-handeln/ ↩︎
  2. Der Standard (2025): Perfektionsdruck, Internet und Krisen: Österreichs Jugendliche sind überlastet. ↩︎
  3. ORF science (2023): Psychische Probleme bei Jugendlichen nehmen zu – HBSC-Studie. ↩︎
  4. Ö3-Jugendstudie 2024 ↩︎

© Lukas Beck

Weitere interessante Artikel